Wo sich Alt und Jung treffen

Die Gemeindebibliothek Dulliken besteht seit 44 Jahren. Dabei kamen schon bekannte Autoren wie Pedro Lenz und Franz Hohler vorbei. Ein Besuch zum Welttag des Buches.

Mirjam Strassburger auf der Sitztreppe

Text und Bild: Rahel Bühler

Auf dem Tisch mit den Neuerscheinungen liegen Bücher mit klingenden Namen wie «Das Leben der Bienen» oder «Glänzende Aussichten». In der Kinderleseecke warten grasgrüne Sitzkissen auf Kundschaft und an der Theke der Gemeindebibliothek Dulliken sitzt Mirjam Strassburger, seit knapp zehn Jahren ihre Leiterin.
«Wir haben hier 13'000 Einheiten. 9000 davon sind gedruckte Bücher», führt sie aus und meint damit sowohl Sachbücher als auch Belletristik. Der Rest besteht aus sogenannten Non-Books: CDs, DVDs, Hörbücher. Vor allem Letztere machen einen grossen Teil der Ausleihstatistik aus.

Bibliothek besteht seit 44 Jahren
Die Gemeindebibliothek Dulliken, die sich direkt neben dem Schulhaus Neumatt befindet, existiert seit 44 Jahren. In einem 40-Prozent-Pensum leitet Mirjam Strassburger das vierköpfige Team. Zusammen haben die vier Frauen ein Stellenprozent inne. Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Dulliken ist die Benützung der Bibliothek gratis, auswertige Kunden zahlen einen Mitgliederbeitrag.
Unangetastet blieb dieses Modell nicht. «Als es der Gemeinde finanziell nicht so gut ging, war dieser Beitrag ein Thema», erinnert sich Strassburger. Dem konnte jedoch entgegengewirkt werden. Zu ihrer Kundschaft zählt Mirjam Strassburger Vertreter aller Generationen. «Bei uns suchen Grosseltern nach Büchern, die sie ihren Enkeln vorlesen können», weiss die 58-Jährige. Auch Lehrkräfte der benachbarten Schule statten der Bibliothek oft Besuche ab. Manchmal mit der ganzen Klasse.
Veränderungen im Nutzungsverhalten der Kundschaft macht die ausgebildete Bibliothekarin schon aus: «Die Ausleihe von Hörbüchern nimmt stark zu. Jene von DVDs nimmt ab. Und dies so stark, dass wir uns früher oder später überlegen müssen, sie aus dem Sortiment zu nehmen.» Es wäre nicht das erste Produkt, das aussortiert werden müsste. Das Gleiche ist mit Kassetten und CD-ROMs passiert. Auch in Bezug auf gedruckte Bücher machen sich Neuerungen bemerkbar: «Sachbücher sind nicht mehr so gefragt, da übernimmt teilweise das Internet. Biografien beispielsweise werden hingegen immer noch gerne gelesen.» Auch E-Books stehen im Angebot der Gemeindebibliothek. «Wir sehen digitale Bücher nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung», erklärt Strassburger und fügt hinzu: «Eigentlich kommt es ja nicht drauf an wie, sondern dass gelesen wird.»

Anlässe für Bevölkerung
Gemeinsam mit der Kulturkommission richtet die Bibliothek auch Anlässe für die Bevölkerung aus: Lesungen, Vorträge. «Bruno Jelk von der Air Zermatt oder bekannte Autoren wie Pedro Lenz und Franz Hohler waren schon bei uns zu Besuch», erzählt Mirjam Strassburger. Durchschnittlich werden acht bis zehn Lesungen pro Jahr organisiert. Auch die jüngere Generation kommt nicht zu kurz. Mit Anlässen zur Leseförderung soll gezielt dafür gesorgt werden, dass Kinder keine Hemmschwelle gegenüber Bibliotheken aufbauen.
Zum heutigen Weltbuchtag sind keine speziellen Aktivitäten geplant. «Aber im Mai wird erstmals der Schweizer Vorlesetag stattfinden. Da steigen wir mit ein», blickt die Dullikerin, die seit 20 Jahren in der Bibliothek arbeitet, voraus. Auf den zukünftigen Wandel von Bibliotheken angesprochen, meint sie: «Ich glaube, es ist wichtig, dass ein Umdenken stattfindet. Bibliotheken sind keine Bücherlager, sondern Treffpunkte für Gross und Klein. Und das soll auch so sein.»

Welttag des Buches
Heiliger Georg und Todestag von Shakespeare

1995 erklärte die Unesco den 23. April zum «Welttag des Buches». Das Datum geht zurück auf den heiligen Georg. Denn zum Gedenktag ihres Schutzpatrons werden in Katalonien als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung Blumen und Bücher verschenkt. Buchhändler machen an diesem Tag das grosse Geschäft. Die Unesco hat das Datum aus der katalanischen Tradition übernommen. Der 23. April ist aber auch der Todestag der Nationalschriftsteller von Grossbritannien und Spanien: Sowohl William Shakespeare wie auch Miguel de Cervantes (Don Quijote) starben an diesem Datum. Der Welttag des Buches soll ein Feiertag für das Lesen und die Bücher sein und auf die grosse Bedeutung des Buches hinweisen. Ausserdem wird an diesem Tag auch das Urheberrecht hochgehalten. In Deutschland und England werden am 23. April koordinierte Aktionen zur Leseförderung durchgeführt. In der Schweiz wurde in den letzten Jahren darauf verzichtet.

Quelle: Oltner Tagblatt vom 23.4.2018, Seite 20