Vortrag und Lesung Hinter Gittern mit Marlise Pfander

Marlise Pfander während der Lesung

Text: Therese Studinger. Bild: Mirjam Strassburger

Ende Oktober war die ehemalige Gefängnisdirektorin Marlise Pfander zu Gast in der Gemeindebibliothek Dulliken. Frau Pfander war neun Jahre Direktorin des Untersuchungsgefängnisses in Bern und die erste Frau, die einen solchen Posten bekleidete. Nach ihrer Pensionierung schrieb die Autorin Franziska K. Müller eine Biografie mit dem Titel «Hinter Gittern» über Marlise Pfander.

Frau Pfander stieg mit vierzig Jahren wieder ins Berufsleben ein, beim Migrationsdienst. Jahre später bewarb sie sich für die Stelle als Direktorin beim Regionalgefängnis Bern, wurde eingestellt und führte diese Institution neun Jahre lang, bis zu ihrer Pensionierung. Frau Pfander war eine Quereinsteigerin, sie hatte keine Ausbildung im Strafbereich und sie drang in eine Männerdomäne ein, was den Anfang für sie sehr erschwerte. Die Aufgabe der Direktorin ist es für die innere Sicherheit zu sorgen. Um dies zu gewährleisten veranlasste sie schon bald einige Änderungen, Aufsicht in 3 Schichten, das Essen wurde verbessert, Insassen halfen beim Rüsten, das Personal wurde sorgfältig ausgewählt, mehr Wert auf die Sprachverständigung gelegt und vieles mehr, was nicht nur positiv begrüsst wurde.

Auf unterhaltsame Art erzählte Frau Pfander von ihrer Arbeit als Direktorin und untermalte das Ganze mit Briefen, Bildern und kurzen Passagen aus ihrer Biografie. Frau Pfander betonte dabei sehr, dass die Insassen, ob Mörder, Bankräuber oder Kinderschänder, ihre Strafe verdient haben und absitzen müssen, dass sie aber trotzdem im Gefängnis als Menschen wahrgenommen und auch so behandelt werden müssen. Von ihr aus gesehen darf man nur im Gefängnis arbeiten, wenn man die Menschen gern hat! So hat Marlise Pfander immer mit den Gefangenen das Gespräch gesucht und sich für sie eingesetzt, konnte aber sehr streng sein, wenn sie sich hintergangen fühlte. Frau Pfander wurde von den Gefangenen als «Prison Mama» oder «Chischte-Mami» bezeichnet.

Dieser Vortrag gab dem Publikum einen interessanten Einblick in ein Metier, von dem man sonst wenig weiss und hört. Quelle: Eusi Gmein - Eusi Schuel Nr. 4 / 2016