Brave Mädchen fragen nicht eine Kindheit und Jugend im Dritten Reich

Lesung mit Elisabeth Häubi-Adler

Ausschnitt aus dem Buchcover - Kinder spielen in einer zerstörten Stadt

Text: Therese Studinger

Ende Januar war in der Gemeindebibliothek Elisabeth Häubi-Adler zu Gast mit ihrem Buch «Brave Mädchen fragen nicht». Frau Häubi lebt in Lostorf und ist in unserer Gegend bekannt als Kasperlifrau, die mit ihrem selbst geschaffenen Puppentheater viele Kinderherzen beglückt hat.

Frau Häubi wurde 1934 als Tochter eines jüdischen Akademikers und einer katholischen Arbeiterin in Wien geboren und erfuhr schon als Vorschulkind die Angst vor der Verfolgung durch Hitlers Geheime Staatspolizei, die Gestapo. So erlebte das Kind alle Situationen dieses unbegreiflichen Krieges, ausgesetzt den Schrecken der Besetzung, der Bombardierungen, der Hungersnot, der seelischen und äusseren Not und Heimatlosigkeit und den Lügen der Erwachsenen, mit.

Nach Ende des Krieges durfte Elisabeth Häubi durch Vermittlung durch das Schweizerische Rote Kreuz zu Pflegeeltern nach Bern und besuchte danach abwechselnd in Wien und Bern, die Mittelschule bis zur Matura. In Bern wurde sie anschliessend zur Krankenschwester ausgebildet. Diesem Beruf blieb sie bis zur Pensionierung treu, sie heiratete und bekam zwei Töchter. In der Schweiz fand sie die ersehnte Heimat und dankte es mit viel Einsatz als Mitarbeiterin in kommunalen Behörden.

In der Lesung in der Bibliothek zeigte Elisabeth Häubi authentisch an vielen Beispielen, teils erzählend, teils vorgelesen, die Geschichte ihrer Generation auf. Viele der Menschen, die diese schlimme Zeit erlebt haben, sind an ihren unfassbaren Kindheitserlebnissen zerbrochen. Andere aber, so wie Frau Häubi, sind durch die Härte ihrer Startbedingungen kreativ und belastbar geworden und haben ihren Weg ins Leben zurückgefunden. Mit klaren, einfachen Worten beschreibt Frau Häubi in ihrem Buch diese Zeitepoche und Zerreissprobe und versucht auch darzustellen, wie es so weit kommen konnte. Sie erzählt ihre Geschichte - es ist ein Buch gegen das Vergessen der jüngsten Vergangenheit und für das Wachsein in der Gegenwart. Quelle: Eusi Gmein - Eusi Schuel Nr. 1 / 2018